Ich bin sauer

Disclaimer: Mein fester Vorsatz war, hier öfter als nur einmal die Woche zu bloggen. An Themen mangelt es mir z.Zt. wirklich nicht – aber das ist auch schon das Problem: Obwohl ich hier anonym unterwegs bin, spüre ich eine sehr große Unsicherheit darüber, was ich hier preisgeben will und was nicht, wie privat das hier alles werden soll. Das ist ein kleines Problem, auf dem ich seit einigen Tagen rumkaue, und aktuell ist meine Lösung: Raus damit! Eben get out and stay out.

 

Ich bin sauer, richtig sauer.

Heute mittag rief mich meine Mutter an – mit ziemlich schlechten Nachrichten. S, eine Schwester meiner Oma, hat Krebs; die Ärzte geben ihr noch ein halbes Jahr. Scheiße, scheiße, scheiße. Ich habe mit diesem Teil der Familie nicht viel zu tun, aber trotzdem. Andere Leute weinen bei schlechten Nachrichten, ich kriege das meist nicht hin und werde einfach nur vollkommen sprachlos. Ich finde auch für solche Gemeinheiten des Lebens nur schwer die richtigen Worte. Und wenn jetzt demnächst einer kommt und sagt „Die Frau ist immerhin über 80“ – darum geht es doch nicht. Ja, die Frau ist alt und ja, sie hat (soweit ich das beurteilen kann) ein schönes Leben an der Seite ihres Mannes, aber muss das sein? Die Frau hat mehrere Kinder, Enkelkinder usw… Warum können solche Menschen, die niemandem etwas Böses getan haben, nicht noch ein paar Jahre ihren Nachkommen mit Rat zur Seite stehen und dann irgendwann ganz ruhig einschlafen? Warum müssen sie am Ende so leiden? Das ist einfach so unfair.

Sowas macht mich einfach nur traurig – sauer bin ich aber aus einem ganz anderem Grund: Meine Mutter eröffnete das Gespräch so ungefähr mit den Worten „Ich will nicht, dass du’s von irgendjemandem anders erfährst“, was ich ja an sich gut finde, da hat sie wohl aus der Vergangenheit gelernt. Aber was dann folgte: Ich solle es bitte K noch nicht erzählen.

K ist einer der Enkel von S und also mein Großcousin – außerdem aber noch ein guter Freund. Ja, ging das dann weiter, seine Eltern wollten es K sagen, wenn er das nächste Mal zu Besuch käme, wann das wäre, das wüsste sie nicht, vll. hätten sie es ihm auch doch schon gesagt… Da begann ich schon zu denken ‚Was geht denn hier ab?‘ Dieses ‚Ja, ich sags dir, und du sollst das eigentlich nicht wissen, weil Leute, denen S viel näher steht, wissen das noch weniger‘, ist ja sowas, was ich gar nicht leiden kann. Dann behaltets doch noch ein paar Tage für euch, for God’s sake. In dem Stil ging das Gespräch dann auch weiter, die Essenz ist ungefähr folgende: Der kleine Bruder von S weiß offenbar noch nicht um die Schwere der Diagnose, eine entfernte Bekannte dagegen, die mit S gesprochen hat, hat nichts besseres zu tun, als alles, was sie weiß, im Bekanntenkreis rumzutratschen usw usf. Wie ich solches Getratsche hasse. „Haste schon gehört? Ich darf dir das eigentlich nicht sagen…“ Furchtbar. Sowas widert mich echt an.

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Über bottleberry

Welcome to the real world. It sucks. You're gonna love it.
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